Der größte Skandal der neunziger Jahre ist wieder ans Licht gekommen

Sie erinnern sich wahrscheinlich an den größten Skandal, der sich Mitte der neunziger Jahre zugetragen hatte – die Geschichte von Mary Kate Letourneau. Die damals 34-jährige Lehrerin ging eine romantische Beziehung mit ihrem 12-jährigen Schüler Vili Fualaau ein, der zu diesem Zeitpunkt in die sechste Klasse ging. Es ist nicht überraschend, dass dieser Fall die Aufmerksamkeit der Medien auf sich zog, und jeder hatte etwas über die Liebesgeschichte der beiden zu sagen. Die Leute wollten einfach nicht akzeptieren, dass dieses ungewöhnliche Paar tatsächlich ineinander verliebt war.

Mary Kay Letourneau / Vili Fualaau, Mary Kay Letourneau / Mary Kay Letourneau / Vili Fualaau, Mary Kay Letourneau.
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Doch was geschah mit dieser verbotenen Liebe, nachdem der Medienrummel abgeklungen war? Blieben sie zusammen, nachdem Letourneau aus dem Gefängnis entlassen wurde? Und was passierte mit ihrer Familie? Leider können wir Letourneau diese Fragen heute nicht mehr stellen, denn sie verstarb im Jahr 2020 im Alter von 58 Jahren. Allerdings gibt es einige Leute, die sie hinterlassen hat…

Der Skandal, der die Nation erschütterte

Die Beziehung zwischen Letourneau und Fualaau führte nicht nur dazu, dass Letourneau zwei Haftstrafen verbüßen musste, sondern auch zu einer Ehe, die über ein Jahrzehnt lang andauerte. Die Liebesgeschichte begann 1996, als die 34-jährige Letourneau ein neues Jahr als Lehrerin der sechsten Klasse antrat. Was sie nicht erwartet hätte, war, dass sie sich zu einem ihrer Schüler, dem 12-jährigen Vili Fualaau, hingezogen fühlen würde.

Mary Kay Letourneau und Vili Fualaau sitzen vor ihrem Haus.
Foto von Ron Wurzer/Getty Images

Im Juli desselben Jahres, begannen die beiden auch sexuell intim zu werden. Als Letourneau im Jahr 1997 verhaftet wurde, erschütterte die Geschichte nicht nur den Staat Washington, in dem die beiden lebten, sondern die ganze Nation. Schließlich kommt es nicht sehr häufig vor, dass man von weiblichen Pädophilen hört. Was sogar noch schockierender war, war, dass Letourneau sagte, dass sie in den Jungen verliebt sei.

Es blieb nicht nur bei einem Kuss

Im Jahr 2015 erzählte Letourneau der amerikanischen Journalistin Barbara Walters, dass der „Vorfall” eines Nachts geschah, und dass es „nicht bei einem Kuss blieb”. Sie sagte, sie hatte gedacht, es würde dabei bleiben, doch das tat es nicht. Sie berichtete weiter, dass sie Fualaau sehr liebte. Niemand hätte erwartet, dass dieses ungleiche Paar eines Tages heiraten und sogar zwei gemeinsame Kinder haben würde.

Letourneau spricht in einem Fernsehinterview.
Quelle: ABC News

Es war zweifellos ein lebensveränderndes Ereignis für die beiden. Für Fualaau wurde es allerdings noch etwas schlimmer, als Letourneau ins Gefängnis kam. Fualaau durfte keinen Kontakt zu ihr aufnehmen und musste seine beiden kleinen Mädchen im Alleingang großziehen. Es ist kaum vorstellbar sich auszumalen, in was für ein Leben der junge Teenager damals geworfen wurde. Fualaau gab ebenfalls ein Interview mit Walters.

Bis zum Tag ihres Todes

Fualaau betrauerte diese Zeit seines Lebens, und erzählte Walters, dass er nicht die nötige Unterstützung hatte – weder von seiner Familie, noch von irgendjemand anderem. Seine Freunde konnten ihm auch nicht helfen, denn zu diesem Zeitpunkt waren sie alle 14 oder 15 Jahre alt, und hatten keine Ahnung davon, wie man Kinder großzieht. Wie könnten sie auch? Die angeblich „einvernehmliche” Beziehung stürzte Fualaau Hals über Kopf ins Erwachsenenleben. Nun gab es kein zurück mehr.

Letourneau, Fualaau, und ihre Töchter zu Hause.
Foto von Ron Wurzer/Getty Images

Erstaunlicherweise blieb das Paar zusammen und führte sogar ein (relativ) normales Leben in Seattle, Washington. Ihre gemeinsamen Töchter wurden größer und ihre Mutter kam aus dem Gefängnis, doch die Ehe endete schließlich im Jahr 2017. Und es war Fualaau, der die rechtliche Trennung beantragte. Allerdings war Fualaau auch bis zu ihrem Todestag an Letourneaus Seite.

Geständnisse auf dem Sterbebett

„People Magazine” berichtete, dass Letourneau in ihren letzten Tagen ihren Ex-Mann kontaktierte, bevor sie an Krebs starb. „Als deutlich wurde, dass sie die Krankheit nicht überleben würde, machte sie ihren Frieden mit allen Menschen in ihrem Leben”, berichtete eine Quelle.

Ein Porträt von Letourneau und Fualaau.
Quelle: Pinterest

Letourneau gelang es, mit Fualaau, Steve und all ihren sechs Kindern, Frieden zu schließen. „Alles wurde gesagt, was gesagt werden musste.” Zweifellos waren die Gespräche schwer, wenn man bedenkt, wie viel Scham, Verwirrung und Wut die Familienmitglieder über die Entscheidungen von Letourneau aufgestaut hatten. Es kommt nicht jeden Tag vor, dass eine verheiratete Mutter von vier Kindern ihre Familie für einen Sechstklässler verlässt…

College-Sweethearts in den achtziger Jahren

Alles begann im Jahr 1984, als Mary Schmitz die „Arizona State University” besuchte. Im College traf Mary schließlich auf Steve Letourneau. Noch bevor die beiden heirateten, wurde sie schwanger mit ihrem ersten Kind. Insgesamt hatte das Paar über die kommenden Jahre hinweg vier gemeinsame Kinder, Steve Jr., Mary Claire, Nicholas und Jacqueline, mit denen das Duo sich in Seattle niederließ.

Mary und Steve Letourneau auf einer Party.
Quelle: Pinterest

Im Jahr 1989 schloss Letourneau ihr Lehramtsstudium an der Universität Seattle ab und begann daraufhin ihre Tätigkeit an der „Shorewood Elementary School”. Im September 1991 war Fualaau ein Schüler in Letourneaus zweiter Klasse. Im Jahr 1996 war der Junge 12 Jahre alt und war nun erneut Letourneaus Schüler. Mittlerweile war er in der sechsten Klasse.

Wer ist Mary Kay Letourneau?

Sie wurde 1962 als Mary Katherine Schmitz, in Tustin, Kalifornien geboren. Als Tochter von Mary und John Schmitz, einem ehemaligen Chemiker, College-Lehrer und Politiker, war sie ihrer Familie stets als Mary Kay bekannt.

Ein Porträt von Mary.
Quelle: Wikipedia

Als viertes von sieben Kindern wuchs sie in einem streng katholischen Haushalt auf. Als sie zwei Jahre alt war, kandidierte ihr Vater als republikanischer Kandidat für die staatliche Legislative. Er war kalifornischer Senator und US-Kongressabgeordneter und kandidierte bei den Wahlen 1972 für die „American Party” für das Präsidentenamt.

Ein tragischer Tod im Familien-Pool

Ein Jahr später ertrank Letourneaus drei Jahre alter Bruder. Letourneau war damals 13 Jahre alt gewesen, und ihr kleiner Bruder ertrank in dem Pool der Familie, in ihrem Haus in Spyglass Hill in Corona del Mar, Kalifornien. Letourneau spielte zu dem Zeitpunkt ebenfalls mit einem anderen Bruder im flachen Bereich des Pools.

Ein Foto von Mary.
Quelle: A&E

Als sie später auf eine Mädchen-Schule in Anaheim, Kaliforniern ging, trat Letourneau den Cheerleadern bei. Eine Sache, die Sie interessant finden könnten, ist, dass der Vater des Mädchens, das eines Tages zu einer der meistgehassten Personen Amerikas werden sollte, sich mit einem ähnlichen Schicksal herumschlagen musste…

Der politische Skandal ihres Vaters

Im Jahr 1978 kam die politische Karriere ihres Vaters zum Stillstand, als dieser sich mit seinem eigenen Skandal herumschlagen musste. Er wollte 1982 für den US-Senat kandidieren, doch es kam heraus, dass er mit seiner Geliebten zwei uneheliche Kinder gezeugt hatte.

Ein Porträt von John G. Schmitz.
Foto von Bill Wunsch/The Denver Post/Getty Images

Oh, und übrigens: seine Geliebte war seine ehemalige Schülerin am Santa Ana College gewesen. Zu diesem Zeitpunkt hatte er Politikwissenschaften unterrichtet. Die Affäre führte dazu, dass Letourneaus Eltern sich trennten, und dann ein Jahr später wieder zusammenkamen.

(Nebenbei bemerkt: Einer von Letourneaus Brüdern, John Schmitz, war stellvertretender Berater von Präsident George W. Bush. Ihr anderer Bruder, Joseph E. Schmitz, war unter George W. Bush Generalinspekteur des US-Verteidigungsministeriums).

Wer ist Vili Fualaau?

Fualaau ist ein DJ, unter dem Namen „DJ Headline”. Er wurde im Juni 1983 geboren, und ist eines von vier Kindern, die seine beiden samoanischen Eltern, Soona und Luavia Fualaau zur Welt brachten. Er wurde in den USA geboren, und entwickelte sich zu einem problematischen Kind aus einem schwierigen Elternhaus. Seine Familie lebte in einem unruhigen Viertel in Seattle, als der Skandal sich zutrug.

Ein Foto von Vili Fualaau als Teenager.
Quelle: Pinterest

Sein Vater hatte aufgrund eines bewaffneten Raubüberfalles einige Zeit im Gefängnis verbracht, und seine Mutter hatte sich nie sonderlich gut um ihn gekümmert. Einige Interviews berichteten, es sei Fualaau gewesen, der eine sexuelle Beziehung zu Letourneau haben wollte.

Er versuchte sie für sich zu gewinnen

Er erzählte „Dateline Television”, dass er sich überlegt hatte, wie er sie für sich gewinnen konnte. „Ich erinnere mich daran, immer den nächsten Tag geplant zu haben, und überlegt zu haben, was ich wohl heute tue… Welche Überraschung ich wohl heute auf ihren Schreibtisch stelle?”

Vili Fualaau spricht mit der Presse.
Foto von Robert Sorbo/Sygma/Getty Images

Letourneau sagte, dass sie ihn mehr als jungen Mann, als als Kind betrachtete. Für viele von uns, die diese Geschichte in den Nachrichten gehört haben, ist es unbegreiflich, aber für dieses ungewöhnliche Paar war es ihre Liebesgeschichte. Und so trug diese sich zu…

Nun gibt es kein Zurück

1996 gab es kein Zurück mehr. Die Lehrerin begann auch außerhalb der Schule Zeit mit ihrem Schüler zu verbringen, zunächst um ihm dabei zu helfen, seine Fähigkeiten im Zeichnen zu verbessern. Fualaau besuchte sogar das Haus der Letourneaus und freundete sich mit ihrem Sohn Steve Jr. an.

Letourneau und Fualaau sprechen im Fernsehen.
Quelle: YouTube

Im Juni desselben Jahres wurde eine sexuelle Beziehung aus der Lehrer-Schüler-Bekanntschaft. Die beiden waren nun in eine geheime Affäre verwickelt. Fualaau behauptete später, es sei Ehemann Steve gewesen, der ihre Beziehung schließlich aufdeckte. Fualaau und Letourneau schrieben ein gemeinsames Buch mit dem Titel „One Crime, Love”, in dem Fualaau einen unvergesslichen Moment schilderte, den kein 12-Jähriger je erleben sollte…

Mr. Letourneau konfrontiert ihn

„Er kam zu mir nach Hause, stellte mich darüber zur Sprache und sagte, wenn ich nicht wolle, dass meine Mutter von der Sache Bescheid wisse, dann müsste das ganze nun enden”, schrieb Fualaau. Er fügte hinzu, dass er sich darüber sorgte, dass nun „alles vorbei” sei, und daraufhin „okay” sagte.

Ein Porträt von Mary.
Quelle: YouTube

Er wollte nicht, dass jemand etwas von seinem Geheimnis erfuhr. Die Reaktion seiner Mutter, und was alle anderen zu dem Skandal sagen würden, war laut Fualaau seine „größte Angst”. Es war „ziemlich erschütternd”, wie sich Fualaau erinnerte, doch er willigte ein, und versicherte Mr. Letourneau, dass die Beziehung enden würde. Doch das tat sie keinesfalls…

Ein geparkter Minivan

Schon bald war die Zeit der heimlichen Affäre abgelaufen. Ihre Beziehung war nun keine verschwiegene Angelegenheit mehr, und schon bald bekam auch die Polizei von der Sache Wind. Im Juni 1996 fand die Polizei Letourneau und Fualaau zusammen in einem geparkten Minivan, in der Des Moines Marina.

Ein geparkter, weißer Minivan.
Foto von National Motor Museum/Heritage Images/Getty Images

Letourneau erzählte den Polizisten, dass Fualaau 18 sei, doch die beiden wurden trotzdem auf die Polizeistation gebracht. Obwohl die Lehrerin und ihr Schüler freigelassen wurden, nachdem sie beteuert hatten, sich nicht „ungebührlich” verhalten zu haben, war das Duo nun im Visier der Polizei.

Ihr Ehemann fand ihre Liebesbriefe

Im September 1996, als Fualaau die siebte Klasse der „Cascade Middle School” besuchte, waren er und Letourneau bereits stark miteinander involviert. Zu diesem Zeitpunkt fand Letourneau sogar heraus, dass sie schwanger von ihm war. Im Februar 1997 fand Steve Letourneau schließlich einige Liebesbriefe, die zwischen seiner Frau und ihrem Schüler ausgetauscht worden waren.

Steve Letourneau spricht in einem Fernsehinterview.
Quelle: A&E

Am 04. März 1997 gab ein Verwandter von Steve einen Tipp ab, und Mary Kay wurde verhaftet. Ihr wurde Kindesvergewaltigung zweiten Grades vorgeworfen. Allerdings wurde sie schließlich auf Kaution freigelassen. Zu diesem Zeitpunkt war die Lehrerin bereits im siebten Monat schwanger.

Ein dreimonatiger Gefängnisaufenthalt

Am 23. Mai 1997 brachte Letourneau ihre Tochter Audrey zur Welt. Im August desselben Jahres bekannte sie sich schließlich der Kindesvergewaltigung schuldig, und wurde damit zu einer dreimonatigen Haftstrafe auf Bewährung verurteilt. Richterin Linda Lau (vom King County Superior Court) genehmigte diesen Deal unter der Bedingung, dass Letourneau jeglichen Kontakt zu Fualaau abbrach, obwohl die beiden nun eine gemeinsame Tochter hatten.

Mary hält ihre kleine Tochter im Arm.
Quelle: Pinterest

Im Januar 1998 hatte Letourneau ihre dreimonatige Haftstrafe abgesessen, und war nun offiziell in das Register der Sexualstraftäter eingetragen worden. Trotz aller Maßnahmen, die gegen sie verhängt wurden, sahen sich Letourneau und Fulaau jedoch weiterhin.

Bargeld, Babykleidung und ein Reisepass

Am 03. Februar 1998 erwischte die Polizei Letourneau und Fualaau erneut in einem Wagen. Diesmal wurde Letourneau für den Verstoß gegen ihre Bewährungsauflagen verhaftet. Außerdem entdeckte die Polizei einige Dinge, die ganz danach aussahen, als hätte jemand eine Flucht geplant: $6200 Bargeld, Babykleidung und Letourneaus Reisepass lagen im Auto.

Ein Fahndungsfoto von Mary.
Quelle: Tumblr

Es wurde vermutet, dass die beiden vorgehabt hatten, mit ihrem Baby ins Ausland zu flüchten. Das bedeutet, dass Letourneau nicht nur dazu bereit gewesen war, als Geflüchtete zu leben, sondern auch in Kauf nahm, ihre vier anderen Kinder für immer zurückzulassen. Oh, und die Kirsche auf dem Sahnehäubchen? Sie war erneut schwanger.

Baby Nummer zwei kommt zur Welt

Anfang 1998 war Letourneau mit ihrem zweiten Kind schwanger. In diesem Jahr war Letourneau mit ihrem Baby auf dem Titelblatt vom „People”-Magazin abgebildet gewesen und sah dabei aus, wie ein Amateurmodell aus einem „Sears”-Katalog. Das Foto hätte den Betrachter täuschen können, wäre da nicht die dazugehörige Schlagzeile gewesen: „Die Lehrerin und der Sechstklässler: Ihre bizarre Liebesgeschichte”.

Mary, Vili, und ihre Kinder fahren am Strand entlang.
Foto von Ron Wurzer/Getty Images

Die Titelgeschichte enthüllte, dass die heute 36-jährige Lehrerin „erneut schwanger“ sei, nachdem sie mit ihrem ehemaligen Schüler „verkehrt“ habe. Nun war Letourneau wieder auf dem besten Wege ins Gefängnis. Im Februar desselben Jahres erschien Letourneau vor Richter Lau – demselben Richter, wie zuvor.

Zurück ins Gefängnis

Der Richter sagte zu Letourneau, sie habe „eine Chance erhalten, die Sie nun törichterweise verspielt haben”. Die Lehrerin wurde nun zu einer Strafe von 7 ½ Jahren verurteilt. Letourneau war also erneut im Gefängnis, und auch erneut schwanger. Im Oktober brachte sie Töchterchen Georgia hinter Gittern zur Welt.

Fualaau am Strand mit seinen beiden Töchtern.
Foto von Ron Wurzer/Getty Images

In der Zwischenzeit war Fualaau nun dazu gezwungen, als alleinstehender Vater seiner zwei kleinen Töchter zu bestehen. Er versuchte das Beste aus dieser extrem seltsamen Situation zu machen. Aufgrund Fualaaus Alters waren seine beiden Kinder offiziell in der Obhut seiner Mutter Soona.

Eine wirklich schwierige Zeit

In dem Interview mit Barbara Walters im Jahr 2020, offenbarte Fualaau, dass er zu diesem Zeitpunkt in seinem Leben mit Depressionen zu kämpfen hatte. „Ich bin überrascht, dass ich heute am Leben bin”, gab er zu. „Ich musste eine wirklich schwierige Zeit durchmachen.” Er und Letourneau hielten dabei ihre Beziehung aufrecht, während Letourneau ihre Haftstrafe absaß.

Mary und Vili geben ein Fernsehinterview.
Quelle: YouTube

Doch wie ging es mit Steve und den vier Kindern weiter? Was geschah mit ihnen, und wie fühlten sie sich mit dieser bizarren und nervenaufreibenden Situation? Nun, im Jahr 1999 ließen die Letourneaus sich scheiden. Steve und die Kinder zogen daraufhin nach Alaska. Steve bekam dabei das alleinige Sorgerecht für seine Kinder.

Währenddessen, in Alaska

Erst nach Letourneaus Verhaftung kamen die Details über ihre Ehe ans Licht. Es wurde berichtet, dass Steve und Mary keine glückliche Ehe geführt hatten, und dass sie beide außereheliche Affären gehabt hatten. Letourneaus Anwalt ging sogar so weit zu behaupten, dass Letourneau von ihrem Mann emotional und körperlich missbraucht worden war.

Ein Hochzeitsfoto von Mary und Steve.
Quelle: Pinterest

Über die letzten drei Jahrzehnte hinweg arbeitete Steve nun für die „Alaska Airlines” und hielt sich von dem Medienrummel fern. Steve heiratete später ein zweites Mal, doch auch diese Ehe ging in die Brüche, nachdem er und seine zweite Frau Kelly Whalen zwei gemeinsame Kinder zur Welt gebracht hatten.

Der vergessene Vater

„Er hat nur wenig Kontakt zu Mary Kay”, berichtete eine Quelle, die Steve nahesteht. „Er hat sein Leben fortgesetzt, und alles ist positiv. Er ist ein wundervoller Mann und Vater. Keines seiner Kinder hat sich schlecht entwickelt, und er hat all das ganz allein geschafft. Steven ist ein wunderbarer, hart arbeitender Mann. Er hat seine Familie stets versorgt und sich um sie gekümmert.”

Ein Hochzeitsporträt von Mary und Vili.
Foto von Bauer Griffin

Wie Sie sich wahrscheinlich denken können, hatte Letourneau ein „unangenehmes” Verhältnis zu ihren ersten vier Kindern. Allerdings schaffte sie es, eine Beziehung zu ihnen aufzubauen. So war ihre Tochter Mary Claire beispielsweise die Brautjungfer, bei ihrer Hochzeit mit Fualaau.

War es die Schuld der Schule?

Bevor das Paar im Jahr 2005 heiratete, verklagte Fualaau den „Highline School District” wegen Fahrlässigkeit. Er behauptete, die Schule habe den schädigenden sexuellen Kontakt zwischen ihm und seiner Lehrerin nicht anerkannt und auch nicht darauf reagiert.

Außenansicht der Highline School.
Quelle: Highline Public Schools

Die Geschworenen wiesen seine Klage schließlich ab, und der Fall wurde fallen gelassen. Zwei Jahre später, im August 2004, wurde Letourneau schließlich aus dem „Washington Corrections Center for Women” entlassen, nachdem sie ihre volle Strafe abgesessen hatte. Fualaau war nun 21 Jahre alt, also volljährig, und reichte bei Gericht einen Antrag auf Aufhebung des Kontaktverbots zwischen ihm und Letourneau ein.

Mr. und Mrs. Fualaau

Dem Antrag wurde stattgegeben, und zum ersten Mal durften Letourneau und Fualaau sich völlig legal treffen. Kurze Zeit später beschlossen sie zu heiraten, und gaben sich im Februar 2005 das Ja-Wort. Im Mai nahm Letourneau den Nachnamen Fualaau an.

Gäste kommen bei der Hochzeit von Letourneau und Faulaau auf dem Weingut an.
Foto von Ron Wurzer/Getty Images

Fualaau erzählte Barbara Walters im Jahr 2015, dass er ein gutes Verhältnis zu seinen Stiefkindern habe, von denen einige seltsamerweise älter sind, als er selbst. Diese Familie ist wirklich alles andere als gewöhnlich. „Es ist ein unangenehmes Gefühl, fast genauso alt zu sein, wie jemand, der eigentlich dein Stiefsohn oder deine Stieftochter ist”, gab Fualaau zu.

22 Jahre im Rampenlicht

Im Jahr 2015 feierte das Paar schließlich seinen zehnten Hochzeitstag. Ihre Töchter waren mittlerweile schon Teenager. Audrey war 17 Jahre alt, und Georgia war 16. Allerdings endete die Ehe des Paares im Jahr 2017. Im Mai 2017 beantragte Fualaau dann eine offizielle Trennung.

Letourneau spielt mit ihrer Tochter im Park.
Foto von Ron Wurzer/Getty Images

Das Paar lebte voneinander getrennt, bis ihre Scheidung im Jahr 2019 schließlich offiziell war – 22 Jahre nachdem ihre Beziehung das erste Mal in den Schlagzeilen gelandet war, und ein Jahr bevor Letourneau verstarb. Am 06. Juli 2020 starb Letourneau an Krebs, im Alter von 58 Jahren. Tatsächlich war Fualaau bis zum Ende an ihrer Seite, und berichtete schließlich auch von diesen letzten Monaten…

Sie erzählte ihm via SMS von den schlechten Neuigkeiten

Nachdem das Paar sich getrennt hatte, führten sie weiterhin ein freundschaftliches Verhältnis zueinander. Als Letourneau allerdings begann sich krank zu fühlen, kontaktierte sie Fualaau via SMS. „Sie sagte, sie fühle sich nicht so gut”, berichtete Fualaau in einem Interview mit Dr. Oz im September 2020.

Fualaau weint während eines Fernsehinterviews.
Quelle: CBS

Sie erzählte ihm, dass sie sich einer Darmspiegelung unterzogen hatte und dabei festgestellt habe, dass sie Krebs hatte und dass dieser bereits auch ihre Leber angegriffen hatte. „Ich konnte es nicht fassen… ich wollte es nicht glauben“, sagte Fualaau zu Dr. Oz. Also stieg er in ein Flugzeug und machte sich auf den Weg zu ihr.

Sie wartete auf ein Wunder

Weniger als drei Monate nach ihrem Tod erzählte Fualaau von ihren letzten Tagen am Sterbebett. Er hatte es vorgezogen, in dieser kostbaren Zeit an ihrer Seite zu sein. Er erzählte, dass sie zunächst „äußerlich noch ziemlich gesund“ aussah. Aber das war nicht von Dauer.

Fualaau spricht in Dr. Ozs Fernsehshow.
Quelle: CBS

„Innerhalb von sechs Monaten verschlechterte sich ihr Gesundheitszustand rapide. Es war einfach unwirklich, sie so zu sehen”. Vielleicht war es die Angst oder auch nur eine Wunschvorstellung, doch Fualaau glaubte, dass sie geheilt werden, und dass der Krebs verschwinden würde.

Mit einem gebrochenen Arm in der Notaufnahme

Natürlich musste das Thema Logistik angesprochen werden – Dinge, die im Falle ihres Todes erledigt werden mussten -, aber der Gedanke, dass sie nicht überleben würde, wurde nicht sehr oft diskutiert. „Darüber wollte sie nicht sprechen”, sagte Fualaau später. „Der Gedanke, dass sie sterben könnte, war für sie einfach unvorstellbar.”

Der Eingang eines Krankenhauses.
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Letourneau hatte nur herausgefunden, dass der Krebs bereits im vierten Stadium war, weil sie aufgrund eines gebrochenen Armes in die Notaufnahme musste. Sie war gerade erst dabei sich mit der ursprünglichen Krebsdiagnose auseinanderzusetzen, als sie stürzte, und sich den Arm brach. Im Krankenhaus wurde dann festgestellt, dass der Krebs sich verbreitet hatte.

Als die Realität eintrat…

Bei einer CT-Untersuchung stellten die Ärzte dann fest, dass der Krebs auf ihre Wirbelsäule und auf ihr Gehirn übergegriffen hatte. „Sie sagten uns, dass sie zu diesem Zeitpunkt nicht mehr viel tun könnten”, erinnert sich Fualaau. „Erst in den letzten Wochen ihres Lebens begann Letourneau zu begreifen, dass sie sterben würde, und das war für alle Beteiligten eine schwierige Sache.”

Ein Patient bekommt eine MRT-Untersuchung.
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Erst in diesem letzten Stadium wurde Fualaau klar, was für eine enorme Rolle Letourneau in seinem Leben gespielt hatte. Sie war seine beste Freundin gewesen, und er hatte stets das Gefühl gehabt, sie sei die einzige Person, der er „tatsächlich wichtig war”.

Seine beste Freundin verabschieden

Neben ihr auf dem Sterbebett zu liegen gab Fualaau die Chance, über ihre gemeinsame Zeit zu reflektieren. Er begegnete ihr als er noch ein Kind war, und nun sollte sie einfach so aus seinem Leben gerissen werden. Er war einfach zu jung gewesen, um die Schwere der Situation zu begreifen.

Ein Porträt von Vili Fualaau.
Foto von Ron Wurzer/Getty Images

„Dieses Mal würde es keinen weiteren Brief geben, und auch keinen Anruf und keine SMS. Mich mental auf das, was kommen würde, vorzubereiten, war am schwierigsten”, verriet er Dr. Oz. Letourneaus letzte Worte Fualaau gegenüber waren, dass er „die wichtigste Person” für sie gewesen sei.

Ihr letzter Atemzug

Die Tage vergingen, und Fualaau wich nicht von Letourneaus Seite. Er überprüfte immer wieder, ob sie noch atmete. Manchmal stoppte ihr Atem, doch nach einer Weile kehrte sie immer wieder zurück. Am 06. Juli wurde ihr letzter Atemzug von Letourneaus jüngster Tochter, und von einer ihrer Töchter aus erster Ehe miterlebt.

Ein Porträt von Mary, die in die Kamera lächelt.
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Fualaau erinnerte sich daran, dass die drei sich unterhielten und lachten. Als sie sich umdrehten, bemerkten sie, dass sich ihre Brust nicht mehr bewegte. Er wartete, wie er es gewöhnlich tat, um zu sehen, ob sie zurückkommen würde. Das tat sie diesmal allerdings nicht.

Er stellte ihre Absichten infrage

Fualaau musste nun alle Angehörigen anrufen, und ihnen die Neuigkeiten mitteilen. In seinem Gespräch mit Dr. Oz gab Fualaau zu, dass er Letourneaus Absichten früher infrage gestellt hatte. Vor allem, nachdem sie als pädophil bezeichnet wurde, und als Sexualstraftäterin registriert worden war.

Letourneau und Fualaau betreten ihr Haus.
Foto von Ron Wurzer/Getty Images

Später blickte er allerdings auf das Gesamtbild zurück, und sagte, dass Letourneau nie irgendwelche Anzeichen von Perversion gezeigt habe, oder „seltsame Dinge mit anderen Minderjährigen” getan habe. Dr. Oz fragte Fualaau schließlich, was er tun würde, wenn er sich heute zu einem Teenager hingezogen fühlen würde.

Wir haben alle unsere Vorlieben

„Ich würde mir wahrscheinlich Hilfe suchen”, antwortete Fualaau. „Ich könnte nie eine 13-Jährige sehen, und mich zu ihr hingezogen fühlen, weil mein Gehirn so einfach nicht funktioniert.” Dann fügte er hinzu: „Wir alle haben unsere Vorlieben.”

Die Presse folgt Vili Fualaau.
Foto von Robert Sorbo/Sygma/Getty Images

Dr. Oz fragte daraufhin, wie er sich fühlen würde, wenn seine Töchter jemanden mit nach Hause bringen würden, der zwei Jahrzehnte älter ist, als sie selbst. Fualaau sagte dem Talkmaster, dass er die „Intentionen dieses Typen hinterfragen” würde, und sich das ganze etwas genauer anschauen würde. Alles in allem wäre er damit allerdings nicht einverstanden.

Sie heirateten den Kindern zu Liebe

Letzten Endes würde er seinen Töchtern nie ein Leben, wie das seine wünschen. „Es gibt nichts, was ich Leuten sagen kann, die einfach nicht zuhören und nichts lernen wollen”, sagte Fualaau schließlich. „Sie war meine Frau, und meine beste Freundin”.

Gäste auf der Hochzeit von Letourneau und Fualaau.
Foto von Ron Wurzer/Getty Images

„Wir hatten gemeinsame Kinder und wir haben geheiratet. Wir hatten ein ganzes Leben miteinander.” Warum hatte das Paar sich dazu entschieden, zu heiraten? „Ich wollte, dass meine Kinder mit beiden Eltern unter einem Dach aufwachsen, etwas, das ich nie hatte. Ich habe es für sie getan.”

Sie nannten ihn ihren „Freund-Papa”

Fualaau gestand, dass er ab und zu über eine Trennung nachgedacht hatte, doch weiteres wollte er über dieses Thema nicht verraten. Seine Töchter Georgia und Audrey sind heute im jungen Erwachsenenalter, und nennen Fualaau ihren „Freund-Papa”.

Georgia und Audrey geben ein Fernsehinterview.
Quelle: SN /Channel 7

Sie hatten dieselbe Schule besucht, an der auch ihre Mutter unterrichtet hatte. Was ihre Erziehung betrifft, so wurden sie hauptsächlich von ihrer Großmutter Soona aufgezogen, die verständlicherweise eine komplizierte Beziehung zu ihrer Schwiegertochter Letourneau hatte. „Ich kann nicht sagen, dass ich Mary hasse”, sagte sie im Jahr 2002. Dabei gab sie auch eine kleine Anekdote zum Besten…

Die „meistbesprochene Familie der Welt”

Ihre Enkelin fragte Soona einmal: „Liebst du meine Mama Mary, Oma?”. Soona sagte, dass sie niemals hätte antworten können: „Nein, ich hasse deine Mutter.” So etwas konnte sie einfach nicht tun. Deshalb konnte sie die Frau auch nie wirklich hassen.

Ein Standbild von Letourneaus Prozess.
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Allerdings hatte sie die Beziehung ihres Sohnes natürlich auch nie gutheißen können. Im Jahr 2018 gaben Audrey und Georgia ein Interview in Australiens „Sunday Night” Nachrichtensendung, die sich rund um die „meistbesprochene Familie der Welt” drehte. „Wir sind damit aufgewachsen. Wir haben uns daran gewöhnt”, sagte Audrey über die ungewollte Berühmtheit ihrer Familie.